Wir trauern um Dr. Martin Brandt

Mit großer Trauer nehmen die Universität Mannheim und die Fakultät für Sozial­wissenschaften Abschied von Dr. Martin Brandt, der am 27. Juli 2026 plötzlich und unerwartet verstorben ist.

Martin Brandt war von 2003 bis zu seinem Tod akademischer Rat im Fach­bereich Psychologie, zunächst am Lehr­stuhl von Prof. Dr. Edgar Erdfelder, dann am Lehr­stuhl von Prof. Dr. Beatrice G. Kuhlmann.

Er hinterlässt große Lücken als sehr geschätzter und beliebter Dozent, experimentell versierter Kognitions­forscher und ebenso freundlicher wie hilfsbereiter Kollege. Unser zutiefst empfundenes Beileid gilt seiner Familie, seinen Freunden, sowie allen Menschen, die ihm nahestanden. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Eine Kondolenzbox für Dr. Martin Brandt ist in der A5 Bibliothek bis 15.09.2026 eingerichtet.

Die Gedenkfeier findet am 16.09.2026 um 18:30 im Fuchs Festsaal O138 statt, dort wird die Kondolenzbox nochmals aufgestellt.

 

Nachruf auf Dr. Martin Brandt

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Dr. Martin Brandt, der am 27. Juli 2026 unfassbar plötzlich und völlig unerwartet verstorben ist. 

Seit 2003, also mehr als 20 Jahre, war Dr. Martin Brandt als Akademischer Rat am Fach­bereich Psychologie in der Fakultät für Sozial­wissenschaften der Universität Mannheim tätig. Er hinterlässt hier große Lücken als sehr geschätzter und beliebter Dozent, Kognitions­forscher und ebenso freundlicher wie hilfsbereiter Kollege.

1966 geboren, schloss Martin Brandt 1985 sein Abitur ab. Anschließend studierte er von 1986 bis 1987 zunächst Sozial- und Sport­wissenschaften an der Universität Bonn, ab 1987 dann Psychologie ebenda. Von Anfang an widmete er sich mit Begeisterung und großem Talent vor allem der Kognitiven Psychologie, die zunehmend zum Schwerpunkt seines Studiums wurde. Das Psychologiestudium schloss er 1993 mit einer wahrnehmungs­psychologischen Arbeit zur Farbkonstanz sehr erfolgreich ab. Der akademische Berufsweg in Forschung und Lehre war damit vorgezeichnet. Direkt nach seinem Studium war er zunächst wissenschaft­licher Mitarbeiter an der Universität Kiel, bevor er 1994 auf ein von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft gefördertes Projekt über Gedächtnistäuschungen an die Universität Bonn zurückwechselte, in dem er insgesamt sieben Jahre arbeitete. Parallel zur Projektarbeit entwickelte Martin Brandt eigene innovative Ideen zur mathematischen Modellierung des Gedächtnisses am Beispiel der MINERVA-Theorie, die er in seiner 2001 mit summa cum laude abgeschlossenen Doktorarbeit „Modell­basierte Analyse globaler Gedächtnis­modelle – Theoretische Grundlagen, methodische Probleme und experimentelle Befunde“ zusammengefasst hat. Nach zwei Jahren an der Universität Düsseldorf (2001–2003) konnte Prof. Erdfelder ihn als akademischen Rat für die Universität Mannheim gewinnen. Er blieb Prof. Erdfelder bis zu dessen Pensionierung 2022 treu und bereicherte anschließend bis zu seinem Tod den jungen Lehr­stuhl von Prof. Kuhlmann mit seiner wertvollen Erfahrung.

In der Forschung verfolgte Dr. Martin Brandt an der Universität Mannheim weiterhin die in seiner Dissertation begonnene Gedächtnis­modellierung mittels MINERVA und zeigte in Simulationen und empirischen Experimenten wiederholt, dass diese als grundlegende Theorie des menschlichen Gedächtnisses viele Gedächtnisphänomene wie zum Beispiel den Offenbarungs­effekt (engl. revelation effect) erklären kann, für die das Forschungs­feld dazu neigt, einzelne isolierte Erklärungen zu generieren. Auch seinen wahrnehmungs­psychologischen Interessen blieb er treu und entwickelte diese insbesondere in Arbeiten zum visuellen Kurzzeitgedächtnis weiter.

In der Lehre prägte Dr. Martin Brandt Generationen von Psychologie­studierenden an der Universität Mannheim ganz entscheidend, indem er sie mit seiner Einführungs­veranstaltung in die wissenschaft­lichen Grundlagen der Psychologie in das Studium einführte. Studierende, die durch die Schule von Martin Brandt gegangen sind, wussten anschließend, wie man recherchiert und bibliographiert, wie man wissenschaft­liche Arbeiten formal korrekt aufbauen muss, wie man Literatur­verzeichnisse APA-konform erstellt, wie man Graphiken und Tabellen gestaltet, Open-Science-Werkzeuge nutzt und vieles Weitere mehr. Den Nutzen davon hatten später dann Kolleginnen und Kollegen, die wissenschaft­liche Berichte, Bachelor­arbeiten und Master­arbeiten der Studierenden betreuten und sich darauf verlassen konnten, dass Studierende die technische Seite von wissenschaft­lichen Arbeiten perfekt beherrschten. Ein weiterer Schwerpunkt in Martin Brandts akademischer Lehre war die wiederkehrende Betreuung experimenteller Praktika. Aus diesen Praktika sowie auch seinem Engagement, studentische Hilfskräfte mit Freude und Begeisterung in Forschungs­projekte einzubinden, gingen in nicht wenigen Fällen Folge­unter­suchungen hervor, die in Bachelor­arbeiten, Master­arbeiten und in einigen Fällen auch Konferenzbeiträge bis hin zu Publikationen mündeten. Für einige der Studierenden, die mit Martin Brandt bereits im Studium wissenschaft­lich zusammengearbeitet hatten, bahnte sich so der Weg in eine akademische Laufbahn. Und wieder profitierten dann die späteren Doktorväter oder Doktormütter von der exzellenten Vorbereitung auf die wissenschaft­liche Arbeit durch Dr. Martin Brandt.

Bei Kolleginnen und Kollegen war Dr. Martin Brandt äußerst beliebt, jemand mit dem man stets gerne zusammenarbeitete. Mit seiner Fürsorglichkeit und humorvollen Art integrierte er neue Lehr­stuhl­mitglieder, insbesondere studentische Hilfskräfte, schnell in das Lehr­stuhl-Team. Dabei war er stets ehrlich an Anderen interessiert und gab neben akademischen auch privaten Rat. Mit ihm war man gern zusammen – nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in der Freizeit, bei gemeinsamen Lehr­stuhl­aktivitäten, beim Sport oder beim Doppelkopf-Kartenspiel, das er vortrefflich beherrschte. Sportlich spielte er jahrelang mit Kolleginnen und Kollegen Volleyball und stellte sich jährlich beim Fach­bereichs­grillen der Psychologie im Volleyballturnier (und oft danach noch beim Fußball) den Studierenden. Kolleginnen und Kollegen mit Kindern fanden in Martin, der selbst stolzer Vater war, einen herzlichen Kinderanimateur, der zum Beispiel ein zweimonatiges Baby im Fliegergriff in den Fluren von L13 erfolgreich beruhigte oder Rampen aus Büchern für Spielzeugautos baute.

Wir vermissen Martin schmerzlich, aber sind umso dankbarer für die Jahre, die er unser Kollege war und uns durch sein großes Wissen, aber insbesondere auch durch sein großes Herz bereicherte. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Das Online-Kondolenzbuch finden Sie hier.

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