Wir trauern um Dr. Martin Brandt

Nachruf auf Dr. Martin Brandt
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Dr. Martin Brandt, der am 27. Juli 2026 unfassbar plötzlich und völlig unerwartet verstorben ist.
Seit 2003, also mehr als 20 Jahre, war Dr. Martin Brandt als Akademischer Rat am Fachbereich Psychologie in der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Mannheim tätig. Er hinterlässt hier große Lücken als sehr geschätzter und beliebter Dozent, Kognitionsforscher und ebenso freundlicher wie hilfsbereiter Kollege.
1966 geboren, schloss Martin Brandt 1985 sein Abitur ab. Anschließend studierte er von 1986 bis 1987 zunächst Sozial- und Sportwissenschaften an der Universität Bonn, ab 1987 dann Psychologie ebenda. Von Anfang an widmete er sich mit Begeisterung und großem Talent vor allem der Kognitiven Psychologie, die zunehmend zum Schwerpunkt seines Studiums wurde. Das Psychologiestudium schloss er 1993 mit einer wahrnehmungspsychologischen Arbeit zur Farbkonstanz sehr erfolgreich ab. Der akademische Berufsweg in Forschung und Lehre war damit vorgezeichnet. Direkt nach seinem Studium war er zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kiel, bevor er 1994 auf ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt über Gedächtnistäuschungen an die Universität Bonn zurückwechselte, in dem er insgesamt sieben Jahre arbeitete. Parallel zur Projektarbeit entwickelte Martin Brandt eigene innovative Ideen zur mathematischen Modellierung des Gedächtnisses am Beispiel der MINERVA-Theorie, die er in seiner 2001 mit summa cum laude abgeschlossenen Doktorarbeit „Modellbasierte Analyse globaler Gedächtnismodelle – Theoretische Grundlagen, methodische Probleme und experimentelle Befunde“ zusammengefasst hat. Nach zwei Jahren an der Universität Düsseldorf (2001–2003) konnte Prof. Erdfelder ihn als akademischen Rat für die Universität Mannheim gewinnen. Er blieb Prof. Erdfelder bis zu dessen Pensionierung 2022 treu und bereicherte anschließend bis zu seinem Tod den jungen Lehrstuhl von Prof. Kuhlmann mit seiner wertvollen Erfahrung.
In der Forschung verfolgte Dr. Martin Brandt an der Universität Mannheim weiterhin die in seiner Dissertation begonnene Gedächtnismodellierung mittels MINERVA und zeigte in Simulationen und empirischen Experimenten wiederholt, dass diese als grundlegende Theorie des menschlichen Gedächtnisses viele Gedächtnisphänomene wie zum Beispiel den Offenbarungseffekt (engl. revelation effect) erklären kann, für die das Forschungsfeld dazu neigt, einzelne isolierte Erklärungen zu generieren. Auch seinen wahrnehmungspsychologischen Interessen blieb er treu und entwickelte diese insbesondere in Arbeiten zum visuellen Kurzzeitgedächtnis weiter.
In der Lehre prägte Dr. Martin Brandt Generationen von Psychologiestudierenden an der Universität Mannheim ganz entscheidend, indem er sie mit seiner Einführungsveranstaltung in die wissenschaftlichen Grundlagen der Psychologie in das Studium einführte. Studierende, die durch die Schule von Martin Brandt gegangen sind, wussten anschließend, wie man recherchiert und bibliographiert, wie man wissenschaftliche Arbeiten formal korrekt aufbauen muss, wie man Literaturverzeichnisse APA-konform erstellt, wie man Graphiken und Tabellen gestaltet, Open-Science-Werkzeuge nutzt und vieles Weitere mehr. Den Nutzen davon hatten später dann Kolleginnen und Kollegen, die wissenschaftliche Berichte, Bachelorarbeiten und Masterarbeiten der Studierenden betreuten und sich darauf verlassen konnten, dass Studierende die technische Seite von wissenschaftlichen Arbeiten perfekt beherrschten. Ein weiterer Schwerpunkt in Martin Brandts akademischer Lehre war die wiederkehrende Betreuung experimenteller Praktika. Aus diesen Praktika sowie auch seinem Engagement, studentische Hilfskräfte mit Freude und Begeisterung in Forschungsprojekte einzubinden, gingen in nicht wenigen Fällen Folgeuntersuchungen hervor, die in Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und in einigen Fällen auch Konferenzbeiträge bis hin zu Publikationen mündeten. Für einige der Studierenden, die mit Martin Brandt bereits im Studium wissenschaftlich zusammengearbeitet hatten, bahnte sich so der Weg in eine akademische Laufbahn. Und wieder profitierten dann die späteren Doktorväter oder Doktormütter von der exzellenten Vorbereitung auf die wissenschaftliche Arbeit durch Dr. Martin Brandt.
Bei Kolleginnen und Kollegen war Dr. Martin Brandt äußerst beliebt, jemand mit dem man stets gerne zusammenarbeitete. Mit seiner Fürsorglichkeit und humorvollen Art integrierte er neue Lehrstuhlmitglieder, insbesondere studentische Hilfskräfte, schnell in das Lehrstuhl-Team. Dabei war er stets ehrlich an Anderen interessiert und gab neben akademischen auch privaten Rat. Mit ihm war man gern zusammen – nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in der Freizeit, bei gemeinsamen Lehrstuhlaktivitäten, beim Sport oder beim Doppelkopf-Kartenspiel, das er vortrefflich beherrschte. Sportlich spielte er jahrelang mit Kolleginnen und Kollegen Volleyball und stellte sich jährlich beim Fachbereichsgrillen der Psychologie im Volleyballturnier (und oft danach noch beim Fußball) den Studierenden. Kolleginnen und Kollegen mit Kindern fanden in Martin, der selbst stolzer Vater war, einen herzlichen Kinderanimateur, der zum Beispiel ein zweimonatiges Baby im Fliegergriff in den Fluren von L13 erfolgreich beruhigte oder Rampen aus Büchern für Spielzeugautos baute.
Wir vermissen Martin schmerzlich, aber sind umso dankbarer für die Jahre, die er unser Kollege war und uns durch sein großes Wissen, aber insbesondere auch durch sein großes Herz bereicherte. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.
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