Interview mit ABSOLVENTUM

In diesem Interview stellt Joelle Dahlke, Referentin Marketing und Kommunikation, die zentralen Ziele des Vereins ABSOLVENTUM, der größten und ältesten fakultäts­übergreifenden Alumni-Vereinigung Deutschlands, vor. Bei der diesjährigen Abschlussfeier wurden die Preise für die besten Studien­leistungen von ABSOLVENTUM gefördert. Den Mitgliedern wird jedes Jahr ein abwechslungs­reiches Programm, wie etwa Mentoring-Programme, geboten, um den Austausch innerhalb des Netzwerks zu stärken.

Wie kam es zu der Entstehung des Vereins? 

ABSOLVENTUM wurde im Juli 1995 als Initiative des damaligen Mannheimer Marketingprofessors Prof. Dr. Hans Raffée gegründet, als fakultäts­übergreifende Alumni­organisation der Uni Mannheim. Seine Idee war es, einen dauerhaften Rahmen zu schaffen, damit ehemalige Studierende auch nach ihrem Abschluss sowohl miteinander als auch mit den Lehr­enden und generell der Uni Mannheim in Verbindung bleiben können. Heute haben wir in etwa 7.000 Mitglieder und verbinden Menschen aus ganz unter­schiedlichen Fach­richtungen, Generationen und Lebens­phasen. 

Was waren die Beweggründe? 

Der Gründung ging ursprünglich eine Befragung unter Studierenden und Alumni voraus, bei der sich eine riesige Mehrheit für ein Alumni Netzwerk ausgesprochen hat. Der Wunsch nach einer dauerhaften Verbindung zur Uni Mannheim ist vor allem von den Studierenden und von den Ehemaligen selbst gekommen. Im Mittelpunkt stand dabei die Idee, dass die Erfahrungen, die Perspektiven und die Kontakte der Alumni auch nach dem Abschluss in die Gemeinschaft von Absolvent*innen einfließen und den Austausch im Netzwerk bereichern. Gleich­zeitig sollte auch die Möglichkeit entstehen, der Universität und nachfolgenden Generationen etwas zurückzugeben.

Welche langfristige Vision verfolgt der Verein?

Unsere Vision ist ein lebendiges Netzwerk, das Menschen ein Leben lang begleitet. Die Verbindung zur Uni Mannheim soll nicht mit dem Abschluss enden, sondern sich über verschiedene Lebens­phasen und über verschiedene Karriere­phasen hinweg weiterentwickeln. Wichtig ist aber auch, dass es dabei nicht nur um die beruflichen Kontakte gehen soll. ABSOLVENTUM soll einen Raum für persönliche Begegnungen, generations­übergreifenden Austausch, lebens­langes Lernen und gegenseitige Unter­stützung, auch über geografische Grenzen hinweg, schaffen. 

Was bietet der Verein an?

Wir bieten unseren Mitgliedern ganz unter­schiedliche Möglichkeiten, sich zu vernetzen, sich auszutauschen, sich persönlich oder beruflich weiterzuentwickeln. Was zum Beispiel dazugehört sind unsere Mentoring- und Coaching­programme, verschiedene Karriereangebote und viele unter­schiedliche Veranstaltungen im Laufe des Semesters. Was wir auch anbieten, ist der Austausch in unseren Regional­gruppen, die auf der ganzen Welt verstreut sind. Wir unter­stützen gleich­zeitig auch die Uni Mannheim. Ganz konkret, durch die Förderung der Examenpreise an der Fakultät oder den Artes Liberales Preis, Stipendien wie das Deutschland­stipendium oder auch die Förderung von ausgewählten universitären und studentischen Projekten. Uns ist wichtig, beides zu verbinden, den Mehrwert für unsere Mitglieder und die Unter­stützung der Uni selbst. 

Was genau sind die Regional­gruppen?

Wir in Mannheim sind in der Regional­gruppe Rhein-Neckar. Die 48 Gruppen sind geografisch verteilt, in 20 Ländern. Das sind alles Absolvent*innen, Mitglieder, die dort inzwischen wohnen und/ oder arbeiten und sich miteinander vernetzen wollen, auch wenn sie nicht mehr in Mannheim oder in der Nähe sind. Jede Regional­gruppe hat auch einen Regional­gruppen­leiter. Manche sind kleiner, manche größer. Sie organisieren Treffen, bei denen sie gemeinsam zum Stammtisch gehen oder ein Museum oder sonst etwas besuchen, damit der Austausch gewahrt wird. Wenn studentische Mitglieder bei uns ein Auslands­semester machen, dann kann man davon ausgehen, dass es so gut wie an fast allen Zielorten, die zur Verfügung stehen, auch eine Regional­gruppe von uns gibt. Dadurch können sie schon Kontakt zu Menschen vor Ort aufnehmen. 

Wie finanz­iert ihr eure Projekte? Gibt es besondere Förder­programme oder Sponsoren, die euch unter­stützen?

In erster Linie wird unsere Arbeit über die jährlichen Mitgliedsbeiträge finanz­iert. Dazu gehören auch Firmen und Förder­mitgliedschaften. Besondere Förder­programme oder klassische Sponsoren, so etwas spielt bei uns eher eine unter­geordnete Rolle. Im Kern wird ABSOLVENTUM von den eigenen Mitgliedern und somit vom Netzwerk selbst getragen. 

Haben sich die Ziele des Vereins über die Zeit geändert?

Der grundlegende Gedanke ist auf jeden Fall gleich geblieben. Was sich aber verändert hat, ist die Art, wie wir das Ziel verfolgen. Im Laufe der Zeit sind neue Angebote und Schwerpunkte für ganz unter­schiedliche Lebens- und Karriere­phasen hinzugekommen. Das Netzwerk und die Angebote haben sich mit den Bedürfnissen unserer Mitglieder, die sich natürlich auch ein bisschen verändert haben, weiterentwickelt. 

Wie schafft ihr es, Studierende und Alumni für euren Verein zu begeistern und langfristig zu binden?

Wir versuchen möglichst früh konkrete Berührungs­punkte mit Absolvent*innen zu schaffen. Die Studierenden werden zum Beispiel über die Kommunikation rund um unser Mentoring-Programm auf uns aufmerksam oder über Veranstaltungen auf dem Campus. Die Alumni erreichen wir vor allem über Veranstaltungen, aber auch über persönliche Empfehlungen aus dem Netzwerk und über klassische Kanäle wie LinkedIn. Was die langfristige Bindung betrifft, ist aus unserer Sicht entscheidend, dass Mitglieder nicht nur einzelne Angebote nutzen, sondern bestenfalls auch persönliche Verbindungen aufbauen. Viele profitieren am Anfang selbst vom Netzwerk und geben später ihre Erfahrungen, ihr Wissen und auch ihre Zeit an andere weiter. Dieses Geben und Nehmen macht ABSOLVENTUM für viele langfristig wertvoll. 

Welche Möglichkeiten bietet ihr euren Mitgliedern, um sich einzubringen und zu wachsen – sowohl persönlich als auch professionell?

Unsere Mitglieder können sich auf ganz unter­schiedliche Weise einbringen. Ein Beispiel dafür ist die Tätigkeit als Mentor*in. Sie können sich auch in unseren Regional­gruppen einbringen, indem sie zum Beispiel Regional­gruppen­leiter werden oder indem sie ihre Erfahrungen oder Ihre spezielle fach­liche Expertise bei Veranstaltungen weitergeben. Gleich­zeitig bieten wir auch viele Möglichkeiten, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Dazu gehören auch das Mentoring- und Coaching­programm. Wir bieten viele fach­liche Vorträge zu KI oder sonstigen Themen an, Karriere- und Netzwerk­veranstaltungen und den Austausch mit Menschen aus verschiedenen Fach­richtungen, Branchen und Generationen. Diese unter­schiedlichen Perspektiven sind besonders wertvoll. 

Welchen Einfluss glaubt ihr, hat eure Arbeit auf die Universität und Umgebung? 

Ich würde sagen, dass unsere Arbeit auf mehreren Ebenen wirkt. Zum einen unter­stützen wir die Uni bei der Gestaltung und Weiter­entwicklung des Campus, dazu gehören zum Beispiel der ABSOLVENTUM-Hörsaal oder der Lesesaal oder das Experience Lab in der UB. Solche Förderungen kommen den Studierenden und den Beschäftigten ganz direkt zugute und sorgen für gute oder bessere Rahmenbedingungen bei Studium, Forschung und Lehre. Zum anderen bringen wir auch Menschen aus der Universitäts­gemeinschaft zusammen und schaffen Austausch, der über das Studium hinaus bestehen bleibt. Denkt man darüber hinaus an die Region, bietet unser Netzwerk auch für Mannheim einen echten Mehrwert. Über Absolvent*innen kommen Studierende und Berufseinsteiger*innen mit erfahrenen Alumni und auch Unter­nehmen in Kontakt. Das kann auch dazu beitragen, dass Absolvent*innen in Mannheim verbunden bleiben und in der Region beruflich Fuß fassen. 

Welche Rolle spielen Kooperationen und Partner­schaften für eure Arbeit?

Kooperationen an sich spielen für unsere Arbeit eine wichtige Rolle, auch wenn wir viele unserer Angebote selbst organisieren. Bei ausgewählten Formaten arbeiten wir zum Beispiel mit Fakultäten zusammen oder mit studentischen Initiativen. Gerade im letzten Semester haben wir eng mit studentischen Initiativen zusammengearbeitet und sie bei Veranstaltungen unter­stützt. Es kommt aber auch vor, dass wir gemeinsame Veranstaltungen auf die Beine stellen. Dabei ist es dann so, dass alle Beteiligten ihre jeweiligen Stärken einbringen. Unsere Partner bei den Kooperationen steuern dann zum Beispiel fach­liche Expertise, Ideen oder auch den direkten Kontakt zu ihren jeweiligen Ziel­gruppen bei. ABSOLVENTUM steuert dann das fakultäts­übergreifende Netzwerk bei und je nach Vorhaben auch die kommunikative, die organisatorische und vor allem die finanz­ielle Unter­stützung.

Welches Projekt, das ihr durchgeführt habt, macht euch besonders stolz?

Das Mentoring-Programm. Das bringt Studierende und Berufseinsteiger*innen mit den erfahrenen Mitgliedern unseres Netzwerks zusammen und ermöglicht den persönlichen Austausch zu beruflichen und auch persönlichen Fragen, ganz individuell. Wir bekommen immer wieder tolles Feedback, dass durch das Mentoring-Programm jemand herausfindet, in welche berufliche Richtung er gehen möchte oder die perfekten Tipps bekommt, um auch einen Job zu finden. Dieses Jahr steuern wir tatsächlich auf die 2.500. Mentoring-Partner­schaft zu und nächstes Jahr feiert das Mentoring-Programm sogar schon sein 20-jähriges Bestehen. Was besonders schön daran ist, ist, dass viele von den Verbindungen, die über das Mentoring-Programm zustande gekommen sind, auch über den eigentlichen Mentoring-Zeitraum, der meistens ein Jahr geht, hinaus bestehen bleiben und ehemalige Mentees teilweise auch später selbst zu Mentor*innen werden.

Was zeichnet die Atmosphäre eures Vereins aus? 

Wir sind ein großes Netzwerk, also fast 7.000 Mitglieder, aber trotz der Größe von unserem Netzwerk entsteht bei vielen Begegnungen ein sehr persönliches Miteinander, fast schon familiär. Das klingt ein bisschen kitschig, aber es ist tatsächlich so. Der Umgang miteinander ist sehr offen, sehr wertschätzend. Es ist aber auch ganz wichtig, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Bei uns wird ganz viel gelacht und viele Mitglieder bringen sich mit ganz viel Freude und Herzblut ein. Genau diese Mischung aus der gegenseitigen Unter­stützung und der gemeinsamen Freude an der Sache macht die Atmosphäre bei ABSOLVENTUM aus. 

Wie können Interessierte am besten Teil eures Vereins werden? 

Am einfach­sten geht es über unsere Website. Da können Interessierte direkt Mitglied bei uns werden, auch schon während des Studiums und nicht erst nach dem Abschluss. Viele denken das, weil „ABSOLVENTUM“ so klingt, als sei es nur für Absolvent*innen, ist es aber auf jeden Fall nicht, es ist mindestens genauso relevant für Studierende. Außerdem findet man uns auch im kommenden Semester und in den folgenden bei ganz vielen verschiedenen Veranstaltungen auf dem Campus. Da kann man uns persönlich kennenlernen, uns anquatschen und einen ersten Eindruck bekommen, was unser Netzwerk so ausmacht. Wer über unsere aktuellen Veranstaltungen und Einblicke in unsere Arbeit auf dem Laufenden gehalten werden möchte, kann uns sehr gerne auf Instagram und auf LinkedIn  folgen. 

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