Geld regiert die Welt! Oder zumindest unsere sozialen Kontakte?

Wie und mit wem wir unsere Zeit verbringen kann von unserem Einkommen abhängen.

AutorIn
Clara Brossmann
Geld regiert die Welt! Oder zumindest unsere sozialen Kontakte?

Bestimmt haben Sie schon oft Sätze gehört wie „Geld ist nicht alles“ oder „Reichtum macht einsam“. Aber was verbirgt sich wirklich hinter solchen Sprichwörtern? Geld ist für viele Menschen die logische Konsequenz von gutbezahlten Jobs oder langen Arbeitszeiten. Geld existiert, lässt uns einen bestimmten Lebensstil führen und eröffnet uns Möglichkeiten, die wir ohne es nicht haben. Die Frage nach der Einsamkeit oder der Häufigkeit von sozialem Kontakt spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle: Verbringen Menschen mit einem gefüllten Bankkonto mehr Zeit mit ihren Liebsten oder neigen sie dazu sich eher abzuschotten?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich ein hohes Einkommen negativ auf die in Gesellschaft verbrachte Zeit unseres Lebens auswirkt. Spannende Forschungsergebnisse zum Thema Einkommen und Freizeit liefert eine großangelegte Datenauswertung von den amerikanischen Forscherinnen Emily Bianchi und Kathleen Vohs. Sie verwendeten Informationen aus der „General Social Survey”, einer Erhebung über Einstellungen und Verhalten von US Bürgerinnen und Bürgern, die seit 1972 jährlich erhoben wird. Analysiert wurden die Antworten von ca. 30.000 Menschen aus 23 Jahren. Vor allem interessierten sie sich für Angaben über die in Gesellschaft von Familie, NachbarInnen oder FreundInnenen verbrachte Zeit und über das Einkommen. 

Die Forscherinnen zeigten auf, dass mit zunehmendem Einkommen die allein verbachte Zeit zunahm und weniger Zeit mit anderen Personen verbracht wurde. Bei genauerer Betrachtung mit wem die Teilnehmenden ihre Zeit verbrachten, stellten sie fest, dass mit höherem Einkommen die Zeit, die mit Familie und NachbarInnen verbracht wird, abnimmt, und die Zeit, die mit FreundInnen geteilt wird, zunimmt. Die Autoren kontrollierten dabei, dass diese Zusammenhänge nicht durch weniger Freizeit generell, einer größeren Entfernung zum Heimatort, oder dem Familienstatus der Personen mit höherem Einkommen erklärt werden konnten. Bianchi und Vohs erklären ihre Befunde mit der Annahme, dass mit mehr zur Verfügung stehendem Geld die Abhängigkeit von Familie und Nachbarn wegfällt, da materielle Unterstützung unwichtiger wird. Menschen verbringen dann ihre Freizeit lieber mit selbstausgewählten Personen, ihren Freundinnen und Freunden.

Es lässt sich also zeigen, dass ein besser gefülltes Konto dafür sorgen könnte, dass Menschen mehr Zeit alleine verbringen und in ihrer Freizeit eher FreundInnen treffen, anstatt ihre Familie oder NachbarInnen zu sehen. Offen bleibt dabei aber die Frage nach der Qualität der Freundschaften. Nur weil man weniger Zeit mit seinen Mitmenschen verbringt, heißt das noch lange nicht, dass die Beziehungen dadurch weniger intensiv oder schlechter sein müssen. 
Wenn wir uns also nächstes Mal die Frage stellen, ob Geld alles im Leben ist oder wir über ein Leben in Reichtum tagträumen, sollten wir uns auch dieser sozialen Konsequenzen bewusstwerden und merken dann vielleicht, dass nicht alles Gold ist was glänzt.

 

Bianchi, E. C., & Vohs, K. D. (2016). Social class and social worlds:Income predicts the frequency and nature of social contact. Social Psychological and Personality Science, 7, 479-486. doi: 0.1177/1948550616641472

Redaktion und AnsprechpartnerIn*: Mariela Jaffé*, Julia Engel