Ausgewählte Ergebnisse der Befragung 2013

Ausgewählte Ergebnisse zur Bundestagswahl 2013

Zur Bundestagswahl 2013 haben wir vor und nach der Bundestagswahl eine Befragung mit jeweils ungefähr 2.000 zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt. Aus diesen Befragungen haben sich einige sehr interessante Ergebnisse zur Wahrnehmung des Wahlkampfs und des Ausgangs der Bundestagswahl sowie zur Veränderung der Ansichten der Deutschen zur nationalen und internationalen Politik ergeben. Im Folgenden möchten wir Ihnen einige ausgewählte Ergebnisse vorstellen.

1. Das Ergebnis der Bundestagswahl 2013

2. Die schwarz-gelbe Koalition 2009-2013: die „erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung?“

3. Die Spitzenpolitiker im Profil

4. „Was denken Sie eigentlich über…?“ Politische Einstellungen zu Sachthemen in der Bevölkerung

5. Eine Frage der Gerechtigkeit

 

1. Das Ergebnis der Bundestagswahl 2013

Die Bundestagswahl 2013 war von einigen Überraschungen geprägt. So erreichte die CDU/CSU fast die absolute Mehrheit im Bundestag, die FDP verpasste erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in den Bundestag und mit der AfD verfehlte eine neue Partei nur knapp die Fünfprozenthürde. Die Gewinne und Verluste der Parteien im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 sind in Abbildung 1 dargestellt.
Die Union verbesserte ihr Ergebnis um über sieben Prozentpunkte und erreichte damit ihr bestes Ergebnis seit knapp 20 Jahren. Die SPD verbesserte sich leicht im Vergleich zu 2009, hatte damals aber ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt erzielt. Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke konnten ihre Ergebnisse aus dem Jahr 2009 nicht halten und verschlechterten sich um etwas über zwei bzw. drei Prozentpunkte. Die FDP verlor fast zehn Prozentpunkte und konnte mit einem Stimmenanteil von nur noch 4,8 Prozent nicht mehr in den Bundestag einziehen. Die AfD erreichte bei ihrer ersten Teilnahme an einer Wahl 4,7 Prozent der Zweitstimmen.
Dadurch erhielten bei dieser Bundestagswahl die nicht im Bundestag vertretenen Parteien so viele Stimmen wie nie zuvor. Insgesamt gingen 15,7 Prozent der Stimmen an Parteien, die durch die Fünfprozenthürde nicht in den Bundestag einziehen konnten.

Abbildung 1: Veränderung der Stimmenanteile der Parteien zwischen 2009 und 2013

 

2. Die schwarz-gelbe Koalitions 2009-2013: „die erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung?“

Im Jahr 2012 bezeichnete Kanzlerin Merkel die schwarz-gelbe Koalition als die „erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung“ und wurde dafür in den Medien kritisiert, war die Koalitionsarbeit doch oftmals von internen Streitigkeiten, insbesondere zwischen der CSU und der FDP, geprägt. In unserer Querschnittsbefragung 2013 wollten wir in Erfahrung bringen, was die Bevölkerung tatsächlich über die Leistungen der Regierung und der Opposition dachte. War die letzte Regierung für die Bevölkerung trotz allem die erfolgreichste seit der Wiedervereinigung? Hierfür betrachten wir zunächst die Veränderung der allgemeinen Bewertung der Parteien zwischen 2009 und 2013. Eine schlechte Leistung der Parteien in den letzten vier Jahren sollte sich in einer schlechteren Gesamtbewertung der Parteien widerspiegeln.

Abbildung 2: Veränderung der Bewertung der Parteien zwischen 2009 und 2013

Aus den dargestellten Änderungen in den durchschnittlichen Sympathie-Einstufungen in Abbildung 2 wird ersichtlich, dass sich vor allem die CDU und die SPD verbessern konnten. Die Werte für beide Parteien stiegen um 0,8 beziehungsweise 1,1 Punkte. Auch die Bewertungen für die CSU, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke zeigen einen positiven Trend, der aber für alle drei Parteien etwas niedriger ausfällt. Die FDP hingegen verlor deutlich an Ansehen in der Bevölkerung, ihr durchschnittlicher Sympathiewert sank im Vergleich zu 2009 um 1,1 Punkte.

Abbildung 3: Leistung der Regierungsparteien 2013

Die Leistung der einzelnen Regierungsparteien der Koalition aus CDU/CSU und FDP wurde von den Wählern sehr unterschiedlich wahrgenommen (Abbildung 3). Lediglich die Leistung der CDU in der Regierung wird im Durchschnitt mit einem positiven Wert eingestuft. Die Leistungen der CSU und insbesondere die der FDP wurden mit Mittelwerten von -0,1 bzw. -1,3 deutlich schlechter bewertet. Hier zeigt sich ein weiterer Puzzlestein für die Antwort auf die Frage, weshalb die FDP bei der Bundestagswahl 2013 ein so schlechtes Ergebnis einfuhr. Für die Probleme der schwarz-gelben Koalition wurden in erster Linie die Liberalen verantwortlich gemacht, mit den Leistungen der CDU waren dagegen viele Bürger zufrieden.

Abbildung 4: Leistung der Oppositionsparteien 2013

Bei den Oppositionsparteien der Legislaturperiode zwischen 2009 und 2013 wurde die Leistung der SPD von der Gesamtbevölkerung mit einem Wert von +0,3 am besten eingeschätzt. Die Grünen und Die Linke erhielten beide schlechtere Wert, wobei der Wert der Grünen von -0,2 noch besser als der Wert der Linken von -0,9 war (Abbildung 4).
Mit CDU und SPD konnten bei der Wahl 2013 demnach genau die Parteien Stimmen hinzugewinnen, die sich in den vier Jahren zuvor nach Meinung der Wähler durch die insgesamt besten Leistungen in Regierung bzw. Opposition auszeichnen konnten.

3. Die Spitzenpolitiker im Profil

Bei einer Bundestagswahl kommt es neben den politischen Parteien an sich vor allem auf ihr Personal an. Die Spitzenpolitiker repräsentieren ihre Parteien, ihre Handlungen werden mit der Leistung der Partei in Verbindung gebracht und sie können durch ihr Auftreten große Teile der Bevölkerung auf ihre Seite ziehen oder gegen sich aufbringen. Für unsere Befragungen ist es daher sehr wichtig zu erfahren, wie die Bevölkerung das Auftreten der Spitzenpolitiker, insbesondere der Kanzlerkandidaten, bewertet.

Abbildung 5: Bewertung der wichtigsten Politiker 2013

Zunächst betrachten wir die Beliebtheit der wichtigsten Spitzenpolitiker. Abbildung 5 zeigt eindrucksvoll, dass die Bundeskanzlerin Angela Merkel 2013 mit großem Abstand die beliebteste Politikerin in Deutschland war. Ihr folgten die beiden SPD-Politiker Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück mit einem Wert von jeweils +0,3. Bereits der Politiker auf dem vierten Platz, Gregor Gysi, wurde durchschnittlich mit einem negativen Wert von -0,3 bewertet, was zeigt, dass die Politiker in Deutschland im Allgemeinen nicht besonders positiv bewertet werden. Horst Seehofer folgte auf Platz 5, danach kamen die beiden grünen Politiker Jürgen Trittin und Claudia Roth auf den Plätzen 6 und 7. Die Parteivorsitzende der Linken, Katja Kipping, landete auf Platz 8 mit einem Wert von -0,8. Die beiden FDP-Spitzenpolitiker Rainer Brüderle und Phillip Rösler erhielten mit jeweils -1,1 und -2,2 sehr negative Bewertungen und landeten auf den letzten Rängen. Darin lässt sich ein möglicher Grund für das schlechte Abschneiden der FDP erkennen. Bei einer so schlechten Bewertung des Spitzenpersonals einer Partei ist es kaum möglich, positiv in der Bevölkerung wahrgenommen zu werden. Für den Großteil der Bevölkerung „verkörpern“ die Spitzenpolitiker ihre Partei. Wenn die Spitzenpolitiker extrem unbeliebt sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die Partei darunter leidet. Umgekehrt gilt aber auch, dass es Politiker von Parteien, über die aktuell negativ berichtet wird besonders schwer haben als sympathisch wahrgenommen zu werden.
Die wichtigste Personalie während einer Bundestagswahl ist die Entscheidung, welcher Politiker als Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin die künftige Regierung führen wird. Hierzu haben wir die Teilnehmer der Befragungen 2009 und 2013 gefragt, wen sie lieber als Kanzler hätten, Frank-Walter Steinmeier oder Angela Merkel im Jahr 2009 und Peer Steinbrück oder Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2013.

Abbildung 6: Kanzlerpräferenz 2013

Abbildung 7: Kanzlerpräferenz 2009

Wir ziehen die Ergebnisse für beide Bundestagswahlen heran, um zu zeigen, dass Angela Merkel bei beiden Bundestagswahlen einen deutlichen Vorsprung vor ihrem jeweiligen Herausforderer hatte (Abbildungen 6 und 7). Bei der Wahl 2009 bevorzugten 45 Prozent der Befragten Angela Merkel, 2013 sogar 48 Prozent. Peer Steinbrück kam 2013 mit 31 Prozent Zustimmung auf einen besseren Wert als Frank-Walter Steinmeier 2009, lag aber dennoch deutlich hinter der Kanzlerin. Der Anteil an Befragten ohne Präferenz für einen der beiden Kandidaten sank zwischen 2009 und 2013 von 29 auf 21 Prozent.

 

4. „Was denken Sie eigentlich über…?“ Politische Einstellungen zu Sachthemen in der Bevölkerung

Ein wesentlicher Bestandteil unserer Umfragen sind Fragen zu den aktuellen politischen Konfliktthemen in Deutschland und den Einstellungen der Bürger zum politischen Geschehen im Allgemeinen. Anhand der Ergebnisse aus diesen Fragen können wir ermitteln, ob die politischen Parteien aus Sicht der Wähler tatsächlich Antworten auf die drängendsten Fragen haben und ob sich die Einstellungen der Bevölkerung mit den Vorstellungen der politischen Parteien decken. Politische Parteien werden oftmals abgestraft, wenn sie dauerhaft gesellschaftliche Probleme nicht lösen können und sich dadurch ein großer Teil der Bevölkerung ungehört oder missverstanden fühlt. Eine solche Situation begünstigt das Auftreten von populistischen Parteien, die vermeintlich einfache Antworten auf diese Probleme liefern und die Wähler dadurch auf ihre Seite ziehen wollen, meistens zum Schaden des politischen Systems und der Gesellschaft.
In unserer Befragung haben wir daher Fragen zu der Notwendigkeit einer Verringerung der Einkommensunterschiede in der Gesellschaft, Volksentscheiden auf Bundesebene, der kulturellen Anpassung von Einwanderern in Deutschland, der Einführung einer Frauenquote in Aufsichtsräten, der finanziellen Hilfe für die EU-Krisenländer, der übergangsweisen Beibehaltung der Atomkraft, sowie der Staatseingriffe in die Wirtschaft gestellt. Des Weiteren wollten wir wissen, ob es den Parteien nur um die Wählerstimmen geht, die globalen Probleme zu komplex für die Politik geworden sind und Wählen eine Bürgerpflicht sei.

 Abbildung 8: Meinungen zu verschiedenen Sachthemen 2013

Die größte Zustimmung mit 80 Prozent der Befragten erhielt die Aussage, dass die Einkommensunterschiede in der Gesellschaft verringert werden sollten. Somit spricht sich ein überwältigender Teil der Gesellschaft dafür aus, Maßnahmen zu ergreifen, um die vielzitierte Schere zwischen Arm und Reich zu verringern. Wie in den ersten Monaten der neuen Legislaturperiode zu sehen, reagierte die Bundesregierung durch die Planung eines allgemeinen Mindestlohns mit ersten Schritten zur Reduzierung der gravierenden Einkommensungerechtigkeiten.
Drei Viertel der Bevölkerung fordern die Einführung von Volksentscheiden auf Bundesebene. Dies wird von vielen Parteien zwar ebenfalls in ihren Parteiprogrammen gefordert, scheint aber aufgrund der ablehnenden Haltung der Union mittelfristig nicht umsetzbar.
Bei dem emotional sehr aufgeladenen Thema der Einwanderung nach Deutschland gaben zwei Drittel der Befragten an, dass Sie eine kulturelle Anpassung der Einwanderer in Deutschland fordern. Die Hälfte der Befragten befürworteten die Einführung einer Frauenquote in Aufsichtsräten und spiegeln damit recht gut die Verhältnisse im deutschen Bundestag wider, in welchem sich jeweils knapp die Hälfte der Abgeordneten (SPD, Grüne und Die Linke) für die Frauenquote aussprechen und die andere Hälfte (CDU, CSU) dagegen. Die finanzielle Hilfe für die EU-Krisenländer ist nur für ein Viertel der Befragten in Ordnung und zeigt damit, dass ein Großteil der Bevölkerung mit der derzeitigen Krisenpolitik der Bundesregierung nicht einverstanden ist.
Im Thema Atomkraft zeigt sich eine Übereinstimmung zwischen der Umsetzung der politischen Parteien und den Vorstellungen der Bevölkerung. Über 70 Prozent lehnen die Beibehaltung der Atomkraft ab und zeigen der Bundesregierung damit, dass die Entscheidung aus der Atomkraft auszusteigen, die Unterstützung großer Teile der Bevölkerung genießt.
Auf die Frage hin, ob die Politik in die Wirtschaft eingreifen soll, befürworten dies nur knapp 20 Prozent der Befragten. Dies zeigt, dass sich die Bevölkerung eine von staatlichen Maßnahmen wie Subventionen weitgehend befreite Wirtschaft wünschen.

Abbildung 9: Einstellungen zur Politik im Allgemeinen 2013

Bei den Fragen zu allgemeinen Einstellungen zur Politik konnten wir feststellen, dass knapp die Hälfe der Bevölkerung davon ausgeht, dass sich die Parteien nicht wirklich um die politischen Ansichten der Bevölkerung kümmern, sondern nur ihre Wählerstimmen haben möchten. 16 Prozent glauben das nicht und die restlichen 34 Prozent besitzen hierzu keine eindeutige Meinung.
In Bezug auf die Möglichkeit der Politik die komplexen Probleme Deutschlands innerhalb der modernen Welt zu lösen, zeigt sich ein gespaltenes Bild (Abbildung 9). Während 31 Prozent der Politik nicht zutrauen, Lösungen zu finden, glauben 38 Prozent daran, dass die Politiker auch im 21. Jahrhundert in der Lage sind, zum Wohle der Allgemeinheit beizutragen.
Auf die Frage, ob es für die Bevölkerung Bürgerpflicht ist, sich an Wahlen zu beteiligen, befürwortet dies eine überwältigende Mehrheit. Dies zeigt, dass die Demokratie in Deutschland auf soliden Beinen steht. Gleichsam stehen viele Menschen den politischen Parteien inzwischen eher skeptisch gegenüber. Das ist insofern eine beunruhigende Entwicklung, da diese Unzufriedenheit möglicherweise von extremen Parteien ausgenutzt werden könnte.

 

5. Eine Frage der Gerechtigkeit

Ein sehr wichtiges gesellschaftliches Thema ist die Gerechtigkeit und ihre Entwicklung in den letzten Jahren. Manche Menschen haben den Eindruck, dass die Gesellschaft durch die Entwicklungen in den letzten Jahren ungerechter geworden ist. Mit Hilfe unserer Befragungen wollten wir in Erfahrung bringen, ob diese Einschätzung nur von einer Minderheit geteilt wird, oder ob weite Teile der Gesellschaft davon ausgehen, dass unsere Gesellschaft heutzutage ungerecht ist.

Abbildung 10: Entwicklung der Gerechtigkeit in der Gesellschaft 2013

Unsere Ergebnisse zeigen, dass fast 60 Prozent der Bevölkerung davon ausgehen, dass unsere Gesellschaft in letzter Zeit ungerechter geworden ist, nur 10 Prozent glauben, dass sie gerechter geworden ist (Abbildung 10). Diese klare Mehrheit gibt uns ein Indiz darauf, dass die Menschen Veränderungen in der Gesellschaft wahrnehmen. Ungerechtigkeiten in einer Gesellschaft haben schwerwiegende Folgen und können sich u.a. in einem steigenden Nicht- oder Protestwähleranteil oder in anderen Formen des politischen Protests äußern.

Abbildung 11: Wichtigkeit der Gerechtigkeit in der Gesellschaft 2013

 

Die Wahrnehmung einer ungerechter werdenden Gesellschaft ist deshalb so bedeutsam, weil fast der gesamten Bevölkerung die Gerechtigkeit in der Gesellschaft ein sehr wichtiges Anliegen ist (Abbildung 11). Unsere Befragung zeigt deshalb, dass aus Sicht der Bürger für die Parteien dringender Handlungsbedarf besteht, für mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu sorgen.